Angelesen - Geschichten aus Südosteuropa

Traduki

Ihr wollt vielfältige Bücher aus Südosteuropa kennenlernen? Dann haben wir genau das Richtige für euch: In unserem neuen Audio Format stellen wir euch verschiedene Genres und Geschichten aus Südosteuropa vor. Jeden zweiten Montag versorgen euch unsere Sprecher*innen mit Passagen wunderbarer Geschichten. Auf dem Programm stehen neben Romanen auch Märchen und Gedichte.

All Episodes

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Gedichtband "Anatomie im Zimmer" von Stanka Hrastelj, übersetzt aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut, gelesen von Susanne Bormann. Über das Buch: Ein Mädchen verbirgt seine Hände, weil es nicht will, dass der Freund seine zerkratzten Hände sieht, zerkratzt von den Katzen, die sie ertränken musste. Zwei Teenager schneiden sich aus Verzweiflung und Neugierde die Pulsadern auf, nur um mal zu sehen, wie groß die Blutlache wird. Die dörfliche Welt in Stanka Hrasteljs Gedichten ist eng, provinziell, familiär und blutig strukturiert. Der Blick auf das Dorf und die Familie jedoch niemals naiv oder denunzierend. Vielmehr zeichnen sich Stanka Hrasteljs Gedichte durch eine außerordentliche Schärfe, Schonungslosigkeit wie auch durch Humor aus. Und nicht selten sind es gerade die stilleren Bilder, die besonders bedrohlich wirken: Eine Frau, die beim Gespräch über Alltäglichkeiten immer schweigend auf ihre Teetasse starrt. Die tiefe Trauer eines Arbeiters, die niemand wahrnehmen will. Durch die exakte Autopsie der Beziehungen und Mentalitäten vermag Stanka Hrastelj in ihren plastischen Gedichten jene im Dorf- und Familienalltag falsch laufenden Stränge zu berühren, die ansonsten den Blicken meist verborgen bleiben. Der Gedichtband „Anatomie im Zimmer“ ist Teil der gemeinsam mit dem literarischen Netzwerk TRADUKI in der Edition Korrespondenzen herausgegebenen Reihe tradukita poezio, junge Poesie aus Südosteuropa. Anatomie im Zimmer, 2013, Stanka Hrastelj, aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut, Edition Korrespondenzen

May 3

15 min 21 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Bekenntnisse eines Zuhälters" von László Végel, übersetzt aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: Im Mittelpunkt dieses legendären Romans steht eine Gruppe junger Freunde, die sich, statt um ihr Studium, mehr um die wahren Dinge des Lebens kümmern: um Frauen und Alkohol und vor allem um Geld. Sie lehnen die erstarrte Welt, in der sie leben, ab und begegnen der gesellschaftskonformen Betriebsamkeit mit Verweigerung. Sie haben die Unmöglichkeit jeder Revolte begriffen und sehen der Zukunft mit Unbehagen entgegen. Auch der Vorstellung von Liebe trauen sie nicht, für sie zählen nur Sex und die damit verbundenen Möglichkeiten Geld zu machen - ihre einzige Konzession an die Verhältnisse. „Bekenntnisse eines Zuhälters“ stellt unser inzwischen erstarrtes Bild der wilden und politischen Sechziger auf den Kopf. In seinem wilden, komischen und turbulenten Roman zeigt uns László Végel die Welt von der anderen Seite und wie das Jahr 1968 hinter dem „eisernen Vorhang“ aussah. „Bekenntnisse eines Zuhälters“, 2013, László Végel, übersetzt von Lacy Kornitzer, Matthes & Seitz Berlin

Apr 19

14 min 4 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Das Berliner Fenster" von Saša Ilić, übersetzt aus dem Serbischen von Elvira Veselinović, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: Wie eine Berliner U-Bahn taucht der Roman „Das Berliner Fenster“ rasch in eine andere Welt ab, die man schwer wieder ausblenden kann, an die man sich aber dennoch nie genau erinnert. So verhält es sich mit den Geschichten, die hier zum Leben erweckt werden. Auf dramaturgisch brillante Weise laufen Schicksale aus dem Dritten Reich, der DDR, dem Jugoslawienkrieg der Neunzigerjahre und der Berliner Gegenwart zusammen, stets mitreißend und dennoch unaufdringlich. Vor der Kulisse aus Stationslärm, Musikanten und der Vielsprachigkeit der Passagiere schreibt Saša Ilić gegen das Verdrängen und Verleugnen an; mal rot, mal schwarz, oft schmerzhaft ehrlich und zugleich bezaubernd unterhaltsam. Ein Berliner Buch mit Nachhall, das niemanden zum “Zurückbleiben!” auffordern wird. Das Berliner Fenster, 2019, Saša Ilić, übersetzt von Elvira Veselinović, eta Verlag

Mar 29

19 min 4 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Sonnenschein" von Daša Drndic, übersetzt von Brigitte Döbert und Blanka Stipetić, gelesen von Susanne Bormann. Über das Buch: Eine Mutter wartet auf ihren Sohn. 62 Jahre zuvor ist er von den Nazis aus Gorizia in der Nähe von Triest entführt worden. Hier hatte sie als junges Mädchen eine Affäre mit einem SS-Offizier. Anders als der Rest ihrer jüdischen Familie hat sie überlebt - und jahrzehntelang nach ihrem Sohn gesucht. Bei ihrer Suche stößt sie auf andere Schicksale, liest Zeugenaussagen, betrachtet Fotos und Erinnerungsstücke. Daša Drndić zeigt die Mechanismen des Bösen auf, führt vor, wie aus gewöhnlichen Menschen Verbrecher wurden und schreibt gegen das Vergessen und die Vertuschung an. Sie beschwört die Vergangenheit herauf und verflicht in Sebaldscher Manier Fakt und Fiktion, um sich dem zu nähern, was die Wahrheit sein könnte. Sonnenschein, 2015, Daša Drndić, übersetzt von Brigitte Döbert und Blanka Stipetić, Hoffmann und Campe

Mar 10

16 min 28 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Quecke" von Petre M. Andreevski, aus dem Mazedonischen von Benjamin Langer, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: »Quecke« ist eine Erzählung von tragischem Ausmaß, in ihr nimmt der unablässige Kampf ums Überleben eine eigenartige Schönheit an. Es ist nicht nur die immer neu geschöpfte Hoffnung, die Widerstandskraft und die Fähigkeit, Schläge hinzunehmen und wieder aufzustehen – es ist auch die Schönheit der Einfachheit, der Landschaft, des täglichen Schuftens, die berührt und fasziniert. Andreevski hat in seinem ganz eigenen suggestiven Erzählton, nahe an mündlicher Rede, mit Jon und Velika Figuren geschaffen, die wie die Quecke für das mazedonische Volk stehen und eine tiefe Wahrheit vermitteln. "Quecke" lässt uns Leser viel über die Geschichte Mazedoniens erfahren und auch, dass es etwas gibt, das weit stärker ist als politische Interessen und nationalistische Kleinheit: die Liebe zu den Seinen und die unbändige Sehnsucht nach einem friedlichen Leben. Quecke, 2017, Petre M. Andreevski, aus dem Mazedonischen von Benjamin Langer, Guggolz Verlag

Mar 9

19 min 5 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Die Ankunft" von Andrej Nikolaidis, aus dem Montenegrinischen von Margit Jugo, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: In einer beschaulichen Kleinstadt hat sich ein Privatdetektiv damit arrangiert, seinen Klienten das zu liefern, was sie hören wollen. Doch dann geschieht ein grausamer Mord, den die Polizei nicht lösen kann, die Stadtbibliothek brennt unter mysteriösen Umständen ab und es fängt an zu schneien ‒ mitten im Sommer, an der Adriaküste. Gleichzeitig ereignen sich weltweit Naturkatastrophen ... Gibt es einen Zusammenhang? Der verlorene Sohn des Detektivs hat seine eigene Theorie zu den Vorgängen und mischt sich in die Ermittlungen ein. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Geschichte, in der ein mittelalterlicher Häretiker, ein selbsternannter Messias aus dem 17. Jahrhundert und dessen verlorenes Manuskript „Das Buch der Ankunft“ entscheidende Rollen spielen … In „Die Ankunft“ verknüpft Andrej Nikolaidis Elemente des Hardboiled-Krimis und des historischen Romans à la „Der Name der Rose“ mit der Schilderung des Lebens in einer Kleinstadt auf dem Balkan zu einer ungewöhnlichen und spannenden Geschichte. Die Ankunft, 2014, Andrej Nikolaidis, aus dem Montenegrinischen von Margit Jugo, Verlag Voland & Quist Das Buch könnt ihr auf der Seite des Voland & Quist Verlags bestellen.Die Ankunft – Voland & Quist (voland-quist.de)

Feb 9

16 min 59 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Gedichtband "Kinder der Natur" von Luljeta Lleshanaku, aus dem Albanischen von Andrea Grill, gelesen von Susanne Bormann. Über das Buch: In Kinder der Natur macht sich Luljeta Lleshanaku auf die Suche nach ihrer Kindheit und damit ihrer Erinnerung an die Zeit, als sich der albanische Kommunismus auf seinem Höhepunkt befand. Eine Zeit der heimlichen Gebete, weil Religionsausübung verboten war, eine Zeit der heimlich gelesenen Bücher, weil ein Großteil der europäischen Literatur von der Zensur verboten war. Hier – zwischen Bergdörfern, Kastanien und wegbrechender Zukunft, wo der 'Frühling die Einsamkeit mit seiner Einsamkeit tötet' – tut sich niemand leid, und es gibt weder Opfer noch Täter, höchstens eine Art höhere Macht, mit der man umgehen muss und leben. Lleshanakus Gedichte erzählen jeweils Geschichten, die uns allen nahe gehen, weil wir die Protagonisten auch aus eigener Erfahrung kennen. Väter, die man nie oft genug besucht, der Geschmack von Milch, die erste Rasur. Doch so wie die Autorin es beschreibt, haben wir es noch nie gesehen. Ihre Poesie ist von großer Genauigkeit, eindringlich, feinsinnig und humorvoll. Jede Wendung ist überraschend, wirkt aber dennoch nicht gesucht, sondern wie natürlich gewachsen und von unverwechselbarer Hellsichtigkeit. Kinder der Natur, Luljeta Lleshanaku, aus dem Albanischen von Andrea Grill, Edition Korrespondenzen, 2020  Das Buch könnt ihr auf der Seite des Verlags Edition Korrespondenzen bestellen. Bestellung | Edition Korrespondenzen

Feb 8

11 min 36 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Märchen "Der Zwerg aus dem vergessenen Land" von Ahmet Hromadžić, aus dem Bosnischen von Mirjana Milosevic-Wittmann, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: Der Zwerg Sonnenschein lebt mit seiner Schwester Flöckchen im Vergessenen Land, in einem Korallenhaus über dem Meer. Sie führen ein glückliches und beschauliches Leben, bis eines Tages, als Sonnenschein gerade unterwegs ist, Flöckchen von fremden Seeleuten geraubt wird. Mit einem Schwert, das Steine zu durchtrennen vermag, und Pfeilen, die Sterne vom Himmel zu holen vermögen, begibt sich ihr verzweifelter Bruder auf die Suche. Nach langer Seefahrt findet er sie schließlich – doch während des Wartens ist Flöckchen vor Verzweiflung krank geworden und stirbt kurz nach dem Wiedersehen. Voller Trauer begibt sich Sonnenschein wieder auf die Reise, irrt über die Meere, bis er eines Tages einem unterdrückten Zwergenvolk und dem schönen Sternchen auf der Mondwiese begegnet. Er befreit das Zwergenvolk, wird dessen Anführer, und alle zusammen machen sich auf den Weg in das Vergessene Land. Mit freundlicher Genehmigung der Verlage »Karl Rauch« und »Bosanska riječ - Das bosnische Wort«.

Dec 2020

22 min 18 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Roman "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameșteanu. Aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme, gelesen von Susanne Bormann. "Der verlorene Morgen" umfasst bewegte Zeiten. Seine Handlung deckt das gesamte "kurze" 20. Jahrhundert ab. Seine Stimmen tragen durch die Jahrzehnte: Es entsteht eine panoramatische Geschichte eines ganzen Landes, gespiegelt in den Erlebnissen von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. "Der verlorene Morgen" ist ein Roman der Frauen und ein Roman des Alterns, in dem das Glück der Vergangenheit von Anfang an unter dem Unstern des persönlichen Scheiterns und der kollektiven Katastrophe des Krieges steht, vor allem aber ein Roman, der vom Leben und seinem Vergehen handelt. "Verlorener Morgen" ist 2018 in Die Andere Bibliothek erschienen.  © Mit freundlicher Genehmigung der AB - Die Andere Bibliothek, Berlin Gabriela Adameșteanu, „Verlorener Morgen" ist im Buchhandel erhältlich.

Dec 2020

21 min 43 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch Gedichte von Ervina Halili aus dem Lyrikband "Der Schlaf des Oktopus". Aus dem Albanischen von Andrea Grill, gelesen von Susanne Bormann. Ervina Halilis Gedichte pulsieren in einer Melodie, zu der ein eigenwilliger Sandmann abwechselnd Vertrauen und Zweifel in die Augen der lauschenden Leser streut. Sie sind bevölkert von einer Reihe merkwürdiger Gestalten: ein in ein Cello verwandelter Mensch, schlafende Schwäne, schwangere Männer und andere Wesen. Eine »verkehrte Welt«, die ganz normal ist. Unaufgeregt und weit entfernt von Pamphleten und Fahnenträgern erschreibt sich Halili ein mögliches Vaterland, nicht aus Grund und Boden, sondern aus dem Himmel. "Der Schlaf des Oktopus" ist 2016 als zweisprachige Ausgabe bei Edition Korrespondenzen erschienen. 

Nov 2020

9 min 33 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch Gedichte aus "Abzeichen aus Fleisch" von Faruk Šehić, aus dem Bosnischen von Hana Stojić, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: In Šehićs Blick auf den Kriegsalltag spiegeln sich eindringlich Wut und Ohnmacht einer vom Krieg überrollten Generation. Aber auch von der Nachkriegszeit in Sarajevo erzählen seine Gedichte, von dem, was Psychologen „posttraumatisches Belastungssyndrom“ nennen, und dem Schielen auf die Verheißungen des Westens und seiner Hochglanzhelden: Capitain Picard, Oprah Winfrey und Superman. Die zweisprachige Gedichtauswahl Abzeichen aus Fleisch von Faruk Šehić ist in der Lyrikreihe tradukita poezio beim Verlag Edition Korrespondenzen, Wien erschienen.

Nov 2020

9 min 20 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch eine Passage aus "Die Sanftmütigen" von Angel Igov, aus dem Bulgarischen von Andreas Tretner, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: Dieses schmale Buch war in Bulgarien eine kleine Sensation. Es greift ein historisches Tabu auf, dem die bulgarische Literatur die längste Zeit ausgewichen ist: die sogenannten „Volksgerichte“ 1944/45, die die früheren Machthaber in Schauprozessen nach Moskauer Vorbild aburteilten und binnen weniger Monate einen Großteil der alten bürgerlichen Elite ausmerzten. Aus historischen Quellen baut Igov eine schlüssige Fiktion des „kleinen Mannes“, dem die Stunde schlägt: die Figur des Emil Strezov, eines randständigen proletarischen Jungpoeten aus der Provinz, der in atemberaubender Dynamik erst zum Mitläufer, dann zum „Kader“ und eilfertigen Ankläger im Dienste des neuen Terrorregimes wird. Eine Geschichte um Schuld und Sühne, Ermächtigung und Verstrickung, grandios vorgetragen aus der Perspektive von Seinesgleichen, die Emil Strezov hinter sich ließ. Wie ein antiker Chor erzählen und kommentieren sie das Geschehen – „im Namen des Volkes“. Hier sucht und findet ein junger bulgarischer Autor unmittelbar Anschluss an die modernsten Tendenzen der europäischen Literatur. "Die Sanftmütigen" ist 2020 im eta Verlag erschienen und ist hier erhältlich: https://www.eta-verlag.de/produkt/die-sanftmuetigen/

Nov 2020

18 min 55 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch eine Passage aus "Die Reparatur der Welt" von Slobodan Šnajder, aus dem Kroatischen von Mirjana Wittmann und Klaus Wittmann, gelesen von Aleksandar Radenković. Über das Buch: Ein Jahrhundertroman: Sprachmächtig und handlungsstark erzählt Slobodan Snajder vom Schicksal einer Familie in den Extremen des 20. Jahrhunderts. Die Gesandten Maria Theresias reisen in die Hungergebiete des Schwabenlandes und locken Urvater Kempf nach "Transsilvanien". Mehr als 150 Jahre später kommen erneut Gesandte, die die sogenannten Volksdeutschen heim ins Reich holen und für die Waffen-SS rekrutieren sollen. Der Dichter Georg Kempf wird an die Ostfront geschickt, desertiert und kehrt nach Kriegsende nach Jugoslawien zurück, weil ihm die Russen schriftlich attestieren, "für die richtige Sache" gekämpft zu haben. Georg freundet sich mit der Partisanin Vera an, sie heiraten. Doch die Geschichte macht es ihnen schwer, einen gemeinsamen Weg zu gehen. Ein sprachmächtiges Epos von den Extremen des 20. Jahrhunderts am Schicksal einer Familie. "Die Reparatur der Welt" ist 2019 im ZSolnay Verlag erschienen und ist hier erhältlich: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-reparatur-der-welt/978-3-552-05924-5/

Oct 2020

20 min 48 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Gedichte von Lidija Dimkovka aus dem Lyrikband "Schwarz auf weiß", aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann, gelesen von Susanne Bormann. „Die Zeit überrollte dich in dem Augenblick, als du aufbrachst“, heißt es in Dimkovkas Gedicht Reise. Der Aufbruch in ihren Texten ist oft aus der Not geboren, dem Krieg. Die Verheerungen sind noch überall zu spüren, die Ruinen der Häuser und Menschen. Die Menschenrechte eignen sich zum Staubwischen. Auch wenn die Reisen nach Berlin, Lissabon oder New York führen, immer bleibt die Herkunft der Balkan präsent. Aber da ist nun eine Trennwand dazwischen, eine Scheibe wie in einem New Yorker Taxi oder „eine automatische Tür eines Zugs“, die dich von den anderen trennt, die dich vom eigenen Leben abschneidet. "Schwarz auf weiß" ist 2019 bei der parasitenpresse / Verlag Adrian Kasnitz erschienen.

Oct 2020

12 min 29 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Teil von Georgi Gospodinovs Physik der Schwermut (Droschl Verlag, 2014). Übersetzt von Alexander Sitzmann, gelesen von Aleksandar Radenković. Der Erzähler von Georgi Gospodinovs Roman leidet an übergroßer Empathie: er kann und muss sich in alles und jeden einfühlen und erlebt dann, was diese anderen erleben – ob das nun sein Großvater am Beginn des 20. Jahrhunderts war, der kleine in ein Labyrinth weggesperrte Minotauros oder eine Schnecke, die gerade verschluckt wird. Aber auch, dass die Zeit unwiederbringlich vergeht, macht ihm zu schaffen; und er geht mit Zeitkapseln dagegen vor: Behälter, in die alles hineinkommt, was für die Gegenwart wichtig ist. Aber was ist wichtig? Zu diesem Zweck wiederum müssen Listen angelegt werden, eine im alten Ostblock bei Kindern und Jugendlichen ohnehin beliebte Praxis ... Aus zahlreichen kurzen poetischen Kapiteln komponiert Gospodinov einen melancholischen Roman, der – wie oft bei Melancholikern – amüsiert und überrascht, und unterstreicht damit nachhaltig seinen weltliterarischen Rang. Seine Vergegenwärtigung altgriechischer Mythen ist ebenso denkwürdig wie seine Erinnerung an 40 Jahre bulgarischen Kommunismus. Und dass das Festhalten des gegenwärtigen Augenblicks eine vergebliche Aufgabe ist: es hindert ihn nicht daran, sich dieser Aufgabe von Seite zu Seite immer wieder neu zu stellen.

Sep 2020

36 min 58 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Teil von Sanja Lovrenčićs Kroatische Kindermärchen übersetzt von Margit Jugo, herausgegeben von Leykam International, gelesen von Susanne Bormann. Elf wunderschöne kroatische Märchen kann man nicht oft genug lesen, vorlesen und sich erzählen lassen. Der Fuchs, der Kater, der Bär, das Froschmädchen und die kleine Fee warten auf kleine und große Märchenfreunde.

Sep 2020

23 min 5 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Teil von Danilo Kiš Frühe Leiden, – innerhalb des Werks “Familienzirkus” übersetzt von Ivan Ivanji, gelesen von Aleksandar Radenković. In seiner Heimat Jugoslawien zunächst heftig bekämpft, wurde Danilo Kis bald als einer der größten Erzähler der europäischen Nachkriegsliteratur anerkannt. Mit seinem einzigartigen literarischen Werk schrieb er gegen das Vergessen und den Tod an. In seiner Trilogie "Frühe Leiden", "Garten, Asche", "Sanduhr", die er selbst auch "Familienzirkus" nannte, hat er dem in Auschwitz ermordeten Vater und der Kultur Mitteleuropas ein Denkmal gesetzt. Seine "Enzyklopädie der Toten", die jetzt endlich in einer Neuübersetzung vorliegt, ist sein bekanntestes Buch geworden. Zu seinem 25. Todestag erscheinen seine wichtigsten Werke in einem Band – eine Einladung, diesen Autor immer wieder und immer neu zu lesen. Danilo Kiš: Frühe Leiden, übersetzt von Ivan Ivanji, erschienen bei Hanser – innerhalb des Werks “Familienzirkus” Das Buch könnt ihr hier direkt bestellen: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/familienzirkus/978-3-446-24679-9/

Aug 2020

17 min 51 sec

In dieser Folge von "Angelesen" präsentieren wir euch einen Teil des Romans "Sänger in der Nacht" von Olja Savičević, gelesen von Susanne Bormann. Zum Buch: Pomela sucht Fink. Der ist Streetart-Künstler, war ihre große Liebe und hat als einzige Spur jene Briefe über den nächtlichen Gesang der Liebenden hinterlassen, die er unter seinen Nachbarn verteilte – angeblich geschrieben von Hunden, Dichtern, Gottheiten. Pomela startet also ihr Mazda-Cabrio und fährt los. Ihre Reise führt in die Vergangenheit, sie trifft auf vom Krieg versehrte Landschaften und Seelen. Die Wege sind verworren, die Straßen aufgeplatzt, und Pomela, so kratzbürstig wie zart, kämpft voll schwarzen Saftes gegen das Vergessen. Sänger in der Nacht, Olja Savičević, aus dem Kroatischen von Blažena Radas, Voland & Quist Das Buch könnt ihr hier kaufen: https://www.voland-quist.de/buch/?279/S%C3%A4nger+in+der+Nacht--Olja+Savi%C4%8Devi%C4%87

Aug 2020

23 min 37 sec