Eclectic Engineering

Marie von Heyl

Jedes Gespräch ist eine eklektische Kollaboration.

Gespräche über Philosophie. Kunst. Feminismus. Psychoanalyse.

All Episodes

Mit der Philosophin Melanie Reichert spreche ich über den Bedeutungsentzug als erotische Erfahrung. Wie verhandelt das Subjekt der Moderne den Umstand, dass universelle Gewissheiten nicht mehr zu haben sind? Gibt es neben der Lust am Verstehen und der Form auch eine Jouissance des Nicht-Verstehens, die im Bruch aufscheint? Wir sprechen über Roland Barthes Entwicklung vom Ideologiekritiker zum Erotiker, Denken als tänzerische Bewegung, Ästhetik als Subversion und fragen uns ob die sinnliche Erfahrung eines Ausstellungsbesuchs nicht manchmal an der Garderobe beginnt.

Sep 20

1 hr 57 min

Mit dem Philosophen Martijn Buijs spreche ich über Liebe. Lange aus der Philosophie verschwunden, scheint sie seit einigen Jahren wieder Thema zu sein. Wir beginnen klassisch mit Platon, landen aber bald bei Alain Badious Auffassung von Liebe als Ereignis und überlegen wie dies mit seinen Strickpullovern zusammenhängen könnte. Außerdem sprechen wir über Liebe und das Neue, Liebe und Ethik, Liebe und Freundschaft und enden mit Heidegger, Auto-Erotik und einer Wortneuschöpfung.

Aug 30

2 hr 6 min

In dieser Folge spreche ich — diesmal ohne Gast— über die Begehrensdynamik künstlerischer Produktion. Als Dreh-und Angelpunkt dient der Fund zweier auf den ersten Blick widersprüchlicher Aussagen im Werk von Jacques Lacan und Roland Barthes. Das künstlerische Schaffen, so meine These, wird bewegt von einem Künstler*innen-Begehren, das sich am Kunstwerk als produktiv erweist. Anschließend bespreche ich die Arbeit 'A Voyage of Growth and Discovery' (2010) von Mike Kelley und Michael Smith, um das Begehrensgeschehen auch auf der Darstellungsebene zu reflektieren.

Jul 20

55 min 25 sec

Mit der Autorin, Künstlerin und Ausstellungsmacherin Shulamit Bruckstein spreche ich über ihr langjähriges Anliegen, rabbinische Verfahren des Studiums und der Auslegung mit Mitteln der künstlerischen Forschung fortzusetzen. Gibt es eine talmudische Denkweise, wie 1908 von Karl Abraham in einem Brief an Sigmund Freud behauptet? In talmudischer Manier definieren wir nicht, sondern kreisen in unserem Gespräch und verknüpfen Gedanken. Wir sprechen über poröse Texte, Tische als Metaphern des Lernens, epistemische Architekturen, die Rhetorik der Unterbrechung, die Erotik des gemeinsamen Studiums und den Geschmack (!) des Talmuds.

Jun 5

1 hr 26 min

Mit der Bild-und Literaturwissenschaftlerin Mareike Stoll spreche ich über Ästhetik und Politik des Blicks. Ausgehend von Mareikes Forschung zu Fotobüchern der Weimarer Republik diskutieren wir, inwieweit die Ambivalenz der Fotografie eine Alphabetisierung des Sehens verlangte und heute immer noch verlangt. Wir sprechen über Anti-Musen und den geschlechtlichen Blick, über das Zusammenspiel von Haptik und Optik, und fragen mit McKenzie Wark und Rachel Aumiller ob sich aus Spiel, Ästhetik und Erotik ein ethischer Raum jenseits binärer Aufspaltungen auftun lässt.

May 17

1 hr 21 min

Mit dem Kunst-und Medienschaffenden Enno Schramm spreche ich über Porosität als Metapher für Zustände der Durchlässigkeit. Wir beginnen mit der verbreiteten Assoziierung von Kreativität und Wahn und fragen, was Inspiration, Hypomanie, Rausch und Psychose verbindet bzw trennt. Enno erzählt von seiner Praxis des Open Dialogue, wir diskutieren Künstler- und Schaffensmythen und Erotik als eine Form der Weltbeziehung. Für einen sehr kurzen Moment erscheint Hegel auf dem Holodeck des Raumschiffs Enterprise.

Apr 3

1 hr 31 min

Mit dem Kultur-und Medienwissenschaftler Gunnar Schmidt spreche ich über Sprachlust und Sprachschmerz. Wo macht Sprache Lust und wo tut sie weh? Wir diskutieren den Chandos-Brief von Hugo von Hofmansthal und Roland Barthes Lust am Text; wir schleifen an einer Theorie der Rauheit des Sinns und fragen nach den Initiations-Mythen in Künstlerbiografien, nicht zuletzt nach unseren eigenen. Mit viel Lust und wenig Schmerz sprechen wir, bis unsere Stimmen rau werden.

Feb 20

1 hr 51 min

Mit Moritz Klenk, Professor für Kulturwissenschaften an der Hochschule Mannheim, spreche ich über das Gespräch als Erfahrung und Mittel der Erkenntnis. Anhand seines Projekts eines öffentlichen gesprochenen Denktagebuchs diskutieren wir das Verhältnis von "schmutziger"und "gereinigter" Sprache und den Überschuss des Körperlichen in der Sinnproduktion. Dabei geht es um den Leib/Körper in Phänomenologie vs. Psychoanalyse, die Sinnlichkeit des Sinns, unvollständige Sätze und um das Stammeln, Stottern und Verklingen der Stimme.

Jan 19

2 hr 36 min

Mit der Künstlerin Kasia Fudakowski spreche ich über ihr Projekt "Word Count": In der nahen Zukunft finden Wissenschaftler heraus, dass ein unmittelbarer Zusammenhang besteht zwischen dem steigenden Meeresspiegel und der Anzahl an gesprochenen Wörtern, woraufhin die Weltgemeinschaft beschließt, deren Anzahl auf 433 Stück pro Person und Tag zu limitieren. Vor dem Hintergrund dieses Szenarios diskutieren wir die verschiedenen Funktionen von Sprache, insbesondere sprachliche Äußerungen, die nicht in erster Linie dem Informationsaustausch dienen. Wir sprechen über die Effizienz des Witzes, die Redundanz der Sprache der Liebe und die Poesie der Verschwendung.

Nov 2020

1 hr 19 min

Mit der Psychoanalytikerin, Autorin und Ex-Universitätsdozentin Edith Seifert spreche ich über die weibliche Lustposition in der Psychoanalyse. Es geht um das Verhältnis von Jouissance, Sprache und Körper, um Lustschmerz und Hingabe der Mystikerinnen, und um soziale Skripte und persönliche Drehbücher der Lust. Wir fragen, ob angesichts zeitgenössischer Entgrentzungsangebote wie BDSM Praktiken von einer Mystik des Alltags gesprochen werden kann, und ob innerhalb dieses kulturellen Rahmens das sexuelle Genießen eher als Refugium oder als Zwang empfunden wird.

Oct 2020

1 hr 25 min

Mit der Aktivistin und politischen Referentin Janna Aljets spreche ich über feministische Verkehrs-und Stadtplanung. Wir diskutieren in Zement gegossene Stereotype, sexistische Schneebeseitigung (!) und wer durch ein Narrativ der Angst aus der physischen und digitalen Öffentlichkeit ferngehalten wird. Es geht um die Unsichtbarkeit von Minderheiten in der Statistik, den lange Atem der feministischen Kritik und die kurzen Wege einer intersektionalen Verkehrspolitik.

Aug 2020

1 hr 12 min

Mit dem Lacan-Experten Rolf Nemitz spreche ich über die Praxis des Übersetzens. Wir versuchen, der Lust an dieser “selbstlosen" Kunst nachzuspüren und vergleichen Metaphern, die für den Übersetzungsvorgang bemüht werden. Wir sprechen über die Schwierigkeit Lacan zu übersetzen, fragen mit Walter Benjamin nach dem Ungesagten im Text und mit Frank Zappa ob ein Text über ein Kunstwerk nicht immer schon eine Übersetzung ist.

Jun 2020

1 hr 29 min

In dieser Episode denke ich über das Verhältnis von Ich und Wir nach. Ohne Gast, denn es ist Mai 2020 und wir sind mitten in Corona-Krise. Es geht um Orte des Sprechens, um die Schwierigkeit Ich zu sagen, um das Manifest als künstlerisches Format und das Wir als literarisches Mittel. Es geht um Roland Barthes Buch "Die Lust am Text" und meine darauf aufbauende Theorie eines möglichen Textbegehrens. Außerdem geht es um Judith Butler und ihren Überlegungen zu Allianzen und Signifikanzen von Körpern im öffentlichen Raum, die nochmal wichtiger geworden sind in Zeiten wo Körper nicht zusammen kommen können.

May 2020

57 min 17 sec

Mit dem Soziologen und Buchautor Jonas Helbig spreche ich über die Grauzone und ihre Bewohner. In unserer Gesprächs-Maschine geht es um Störungen, Ränder und Lücken von Ordnungssystemen im Allgemeinen und den Opportunisten als Figur rechtlicher und ökonomischer Grauzonen im Besonderen. Wir sprechen über implizites Wissen, fuzzy logic, Bauernregeln und Roland Barthes ’Neutrum', philosophieren über Mülltrennung und finden schließlich die Grauzone im Restmüll.

Mar 2020

1 hr 14 min

Mein Gast Katharina Ludwig ist Künstlerin und promoviert zur "Wunde am Text". In unserer Gesprächs-Maschine unterhalten wir uns über Zentauren, Frankensteins Monster, den Cyborg und andere Begriffsfiguren der Theorie, die für das Verhältnis von Text und Körper stehen. Wir sprechen über künstlerische Forschung, prothetische Literatur und feministische Geschichtsschreibung. Mit Hélène Cixous diskutieren wir die écriture féminine, lassen uns von Gilles Deleuzes Fingernägeln ablenken und überlegen wie sich der Begriff des Werdens zum Schreiben verhält.

Feb 2020

1 hr 11 min

Mit dem Medienwissenschaftler Wenzel Mehnert spreche ich über die Rolle von narrativen und spekulativen Fiktionen im Diskurs um Künstliche Intelligenz. In unserer Gesprächs-Maschine behandeln wir jüngste Automatisierungs-Behauptungen im Feld künstlerischer Kreativität, ethnologische Dilemmata im Bereich der ökologischen Kybernetik und die geschlechtliche Konnotation von Turing-Tests. Wir sprechen über Science Fiction und Spekulatives Design, fragen nach den Arbeitsbedingungen im Weltraum und bemängeln die Objekt-Deprivation auf dem Raumschiff Enterprise.

Feb 2020

1 hr 24 min

Mit dem selbsterklärten Non-Visual-Designer und Mitbegründer des "Trouble Salon" Joachim Stein spreche ich über reale und fiktive Adressaten künstlerischer Produktion und die Mindestgröße eines Publikums. Ist der imaginierte Andere schon Publikum genug? In unserer Gesprächs-Maschine drücken wir uns erfolgreich um eine Definition von Kunst, streifen künstlerische Selbsttechniken und denken mit Peter Sloterdijk die Aufklärung als Drama. Wir sprechen über Gesprächsformate als Formen der Kollaboration und enden mit einem Kniefall vor Douglas Adams.

Jan 2020

1 hr 30 min

Mit der Theaterwissenschaftlerin und Sonderpädagogin Nicole Mörsch spreche ich über die Philosophie Judith Butlers. Knotenpunkte unserer Gesprächs-Maschine sind Körperbilder, Doing Disability, und Heimsuchungseffekte des gesellschaftlich Verworfenen. Wir sprechen darüber, warum Diskussionen über Butler so frustrierend sein können und fragen nach der metaphysischen Ästhetik bzw. subversiven Erotik dieser Theorie.

Jan 2020

1 hr 18 min