piqd Thema

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Isabel Woop und Gäste fühlen regelmäßig einem Thema aus dem piqd-Universum auf den Zahn. Mit Wissen, Expertise und Meinung.

All Episodes

Wie war das Corona-Semester in diesem Sommer, wie wird sich Wintersemester gestalten? Online- oder Präsenzlehre? Normales Studium oder was ganz anderes? Konservativer Elfenbeinturm im Seminar - oder innovatives Teaching im Digitalen? Die Debatte rund um die Lehre unter Corona-Bedingungen verheddert sich, wie so oft, im entweder/oder-Modus. Unsere Debatte hingegen versucht zu nuancieren, und die Diskussion von den tatsächlichen Erfahrungen her zu führen. Wie kann die Lehre unter den gegebenen Bedingungen gelingen? Kann man die Erfahrungen, die wir gerade mit digitaler Lehre machen, unabhängig von den Corona-Bedingungen überhaupt bewerten?

Jul 28

43 min

In der Debatte um Lockerungen in der Corona-Krise scheint sich die Stimmung zu ändern. Einfache Versprechen und Wissenschaftsverachtung treten auf den Plan. Eine Momentaufnahme.

May 30

42 min

Seit der #metoo-Debatte werden immer wieder Warnrufe laut: Die Freiheit der Kunst sei gefährdet. Es herrsche ein Klima des Verbots und der Zensur. Was ist dran? Wie schauen wir auf künstlerische Lebensleistungen? Geht das, Täter und Künstler zu unterscheiden? Wenn ja, wie? Welche Verantwortung haben Verlage, Jurys, Publika? Im dritten Podcast besprechen wir drei Personen und vielbeachtete Kontroversen: Den Streit um die Memoiren von Woody Allen, die Auszeichnung des Regisseur Roman Polanski mit dem Filmpreis Cesár und die Festschrift für den Musikwissenschaftler und Pianist Siegfried Mauser. Es wird kontrovers und nuanciert.

Mar 30

47 min

Wie können wir wieder besser streiten? Dieser Fragen gehen zwei Wissenschaftlerinnen in der BONUS-Folge von piqd Thema nach. Kennengelernt haben sie sich über Twitter – was können wir von ihnen über die Debattenkultur lernen?

Feb 4

34 min

Reporterslam: Sechs Reporterinnen und Reporter treten zum Wettstreit an, wer am unterhaltsamsten von einer Recherche erzählen kann. Die vorerst letzte Episode dieses Podcasts ist ein Mitschnitt des Realsatire Reporterslams zusammen mit piqd.de und detektor.fm

Dec 2019

125 min

Debatten sind vielfach keine mehr. Sie verkümmern zu oft zu antagonistischen Formen der affektiv überladenen Gegnerschaft, bei der am Ende, beinahe zwangsläufig, das Besiegen steht. Dabei wird mit Lust am Krawall die dualistische Form praktiziert: entweder/oder, ja/nein, bei mir/gegen mich. Das ist manchmal interessant, manchmal auch sinnvoll in der polemischen Zuspitzung. Ganz überwiegend aber wird das den debattierten Sachverhalten in keiner Weise gerecht. Wie geht es besser?

Dec 2019

43 min

70 Jahre nach der Staatsgründung hat sich China längst vom Bauernstaat zur globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Doch wie weit reicht der Arm Pekings heute?

Oct 2019

28 min

Osteuropa - korrupt und autoritätsliebend. Häufig spiegeln sich diese Vorurteile in der Berichterstattung westlicher Medien wider. Doch ist das Bild im Jahr 2019 überhaupt noch gültig?

Sep 2019

30 min

Wir blicken erneut auf die Klimakrise, beleuchten soziale und technische Bewältigungsstrategien und fragen, wie man angesichts der Ereignisse aus den letzten Wochen und Monaten noch optimistisch bleiben soll.

Aug 2019

29 min

Seit Jahren steckt der Journalismus in einer Krise. In Teilen der Bevölkerung schwindet das Vertrauen, Auflagen sinken und damit gehen auch die finanziellen Mittel zurück. Dazu verändert das Internet den Journalismus und prägt das Konsumverhalten einer ganzen Generation - den Millenials.

Jul 2019

22 min

Was ist los mit Europa? Beim piqd Salon in Berlin diskutieren Jan Kawelke und Vassili Golod kurz vor der Wahl mit Paulina Fröhlich, Harald Schumann, Isabell Hoffmann und Caroline Flohr. In der Bonusfolge zur Europawahl gibt es die gesamte Podiumsdiskussion zum Nachhören.

May 2019

119 min

Was bedeutet Europa eigentlich für seine Einwohner? Wie tickt die EU? Warum hat sie aktuell so viele Gegner? Und was muss passieren, damit Menschen wieder an die EU glauben? Beim piqd Salon in Berlin diskutieren Jan Kawelke und Vassili Golod diese Fragen mit Gästen. Isabel Woop fasst die Antworten im Podcast zusammen.

May 2019

26 min

Beim piqd-Salon in Berlin diskutiert Moderator Karsten Lemm mit Gästen darüber, ob und wie wir die Klimakrise bewältigen können. Diese Episode ist eine Bonus-Folge zur vorigen Episode "piqd Thema".

Apr 2019

74 min

Die Welt steckt im Jahr 2019 in einer veritablen Klimakrise. Doch noch ist es nicht zu spät, noch haben wir nach Schätzungen von Experten rund zehn Jahre Zeit, um zu reagieren. Aber wie? Was können wir tun, um das Klima zu schützen?

Apr 2019

28 min

Mehr als 30 Jahre ist der INF-Vertrag ein Garant für Frieden und Sicherheit in Europa. Doch nun haben Russland und die USA das Abkommen aufgekündigt. Was bedeutet das für die Sicherheitslage in Deutschland? Und wie kann die Bundesrepublik auf einen neuen Friedensvertrag hinwirken?

Feb 2019

33 min

Nicht erst seit gestern diskutieren wir über die Hartz-Gesetze der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder. Schon seit der Einführung werden die Gesetze von vielen Seiten stark kritisiert. Dabei konzentriert sich die Kritik häufig vor allem auf eines der vielen Hartz-Gesetze: Hartz IV. [podlove-template template="default"] "Anhand von Hartz IV zeigt sich stark die Wut über den Niedriglohnsektor. Das heißt mit Hartz IV verbinden viele dieses Stigma, mit Hartz IV verbinden viele Armut. Und wenn man über Hartz IV diskutiert, dann diskutiert man automatisch über die Frage: „Was ist eine Existenzgrundlage, die Menschen ermöglicht in Würde zu leben?“. Und das ist einer der emotionalsten Punkte in dieser ganzen Arbeitsmarktreformdebatte." - Dario Nassal, The Buzzard

Dec 2018

26 min

Die Aufgabe von Ärzten war bisher, Krankheiten zu behandeln. Nun gibt es zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die Chance, weit früher zu erkennen als bisher, ob im Körper etwas schief läuft: Sensoren in Fitnesstrackern, digitalen Armbanduhren wie der Apple Watch, aber auch in Blutdruckmessern, vernetzten Waagen und anderen Geräten erlauben es gesundheitsbewussten Menschen, ihren Körper ständig zu beobachten. „Also die Studien, die es gibt zeigen zunehmend, dass die Chatbot-Anwendungen ungefähr so gut sind wie Ärzte und die ersten zeigen jetzt, die sind besser, spezialisiert auf ein Thema“ - Dr. Markus Müschenich „Die Ärzte mit denen wir im Moment arbeiten, die haben vor allen Dingen erst Mal Interesse an neuer Technologie. […] Unsere Technologie ist nicht nur eine diagnostische Hilfe, sondern sie ist auch eine Kommunikationshilfe für den Arzt“ - Larissa Middendorf Diese Entwicklung steht erst am Anfang, doch schon jetzt ist absehbar, dass sie unser Grundverständnis einer guten medizinischen Versorgung auf den Kopf stellen wird: Statt Krankheiten zu diagnostizieren, wenn es womöglich schon zu spät ist, werden Ärzte künftig versuchen, den Körper von vornherein gesund zu halten. Aus dem Helfer in der Not wird ein ständiger Begleiter und Berater, der mithilfe von Daten und Algorithmen alles im Blick behalten kann, um sofort zu eingreifen, wenn sich erste Symptome einer Krankheit abzeichnen. „Die Charité hat unglaubliche Datenschätze und jetzt dieses Handwerkszeug auf diese Daten anzuwenden ist verleitend. Radiologie, also die Bildgebung allgemein, hat da sicherlich einen Vorreiterstatus […]. Da werden übrigens regelmäßig auch Ärzte geschlagen in ihrer diagnostischen Kompetenz“ - Tim Huse

Sep 2018

56 min

Die vergessenen Frauen des Bauhauses Christina Mohr hat auf piqd.de einen Artikel der New Yorker Kunst-Journalistin Jillian Billard kuratiert. In "The Other Art History: The forgotten women of Bauhaus" stellt sie verschiedene Künstlerinnen der Bauhaus-Zeit vor. Die "Frauen-Klasse" Walter Gropius' Idee einer interdisziplinären Lehre an der alle unabhängig von Herkunft oder Geschlecht teilhaben sollten, beschreibt Jillian Billard in ihrem Artikel als sehr fortschrittlich. Dass sowohl Männer als auch Frauen am Bauhaus studieren durften heißt allerdings nicht, dass Frauen dort auch gleichberechtigt behandelt wurden. Anni Albers Eine dieser Frauen war Anni Albers, die ursprünglich Malerei studieren wollte. In der Webklasse hat sie sich allerdings sehr wohl gefühlt und das Handwerk für sich entdeckt. Im Bauhaus sollte die Grenze zwischen Kunst und Handwerk aufgeweicht werden. Bis heute werden Kunst und Handwerk aber nach wie vor noch häufig getrennt betrachtet. detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop hat sich zusammen mit Kuratorin Maria Müller-Schareck die Ausstellung zu Anni Albers angeschaut. Außerdem hat sie mit Jillian Billard und Theresia Enzensberger über die Rolle der Frau zu Zeiten des Bauhauses gesprochen. Und darüber, was sich bis heute verändert hat.

Aug 2018

16 min

"Wir hatten die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 30 Jahren." verkündete der bayerische Innenminister Joachim Herrmann unlängst in Bezug auf die Kriminalstatistik 2017. Trotzdem legte die Bayerische Staatsregierung eine Novellierung des Polizeiaufgabengesetzes (PAG) vor, die mit der Mehrheit des CSU am 15. Mai 2018 im Bayerischen Landtag verabschiedet wurde. Knapp eine Woche zuvor, am 09. Mai 2018, luden wir zum piqd Salon aktuell Vertreter der politischen Lager und der Polizei sowie der Gewerkschaft der Polizei ein, um mit Ihnen über das PAG zu sprechen und zu diskutierten. piqd-Podcaster Florian Schairer moderierte die Runde mit Andreas Lorenz, MdL, CSU, AK Innere Sicherheit Prof. Dr. Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz Peter Schall, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bayern Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer, Landespolizeipräsident Bayern Katharina Schulze, MdL, Die Grünen, Spitzenkandidatin für die Landtagswahl und stellte diese Fragen: Warum ist im sichersten Bayern seit 30 Jahren eine Novellierung des ohnehin schon offensichtlich funktionalen Polizeiaufgabengesetzes nötig? Was bringt das neue Gesetz und wem? Warum will die CSU diese Neuerung, gerade jetzt, im Wahljahr? Was sind die Risiken, die konkreten Veränderungen, was haben wir als bayerische Bürger insgesamt zu erwarten?

Jun 2018

68 min

Diese Woche war in Bonn wieder einmal große Klima-Konferenz und alle Medien berichteten, dass es schleppend voran geht. In dieser Folge wollen wir einen Blick auf die konkrete Umsetzung schauen: Die Energiewende. Wir haben ja in den letzten zehn, zwanzig Jahren sehr viele Bemühungen gesehen, die sogenannte Energiewende auch politisch mit Leben zu füllen. Da stellt sich nach all der Zeit einfach die Frage: Wo stehen wir jetzt und wo sollte die Reise hingehen? Diese Frage diskutiere ich mit Nick Reimer, der diplomierter Energie- imd Umweltverfahrenstechniker, Wissenschaftsjournalist und Gründer von klimaretter.info ist. Auf piqd.de findet ihr ihn im Kanal "Klima und Wandel". Er sagt: "Die Energiewende wurde erfunden, um einen CO2-freien Weg in die Zukunft zu finden." Doch: Sie sei halbherzig und schlicht nicht zu Ende gedacht. Außerdem lenke die Frage nach dem Strommarkt regelmäßig davon ab, dass in den anderen Energiesektoren - Wärme, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft - die Fortschritte nicht vorhanden seien. Trotzdem könne der Strommarkt als gutes Beispiel gelten, wie man die Sache angehen müsste. Urszula Papajak arbeitet bei der "Renewables Grid Initiative". Die ist verantwortlich für den "Good Practice of the Year"-Award, ein Preis, der von der "Renewables Grid Initiative" zusammen mit der Europäischen Kommission verliehen wird. Es geht darum, ein Projekt auszuzeichnen, das an innovativen Lösungen arbeitet, um mehr erneuerbare Energien in das Energienetz einzuspeisen. Sie arbeitet also ganz konkret an Ideen und Innovationen - denn sie möchte nicht aufgeben, auch wenn sie zugibt, dass die Entwicklungen viel zu langsam gehen. Der dritte in der Runde ist Ralph Diermann, ebenfalls piqer im Kanel "Klima und Wandel" und Energiejournalist, der unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online oder die NZZ schreibt. Für Ralph ist zwar auch klar, dass es zu langsam geht, aber er sieht auch Chancen, die von Nick angemahnte Beachtung der anderen Sektoren mit neuen Ideen zu wuppen. "Selektorenkopplung" lautet hier das Stichwort. Am Ende sind sich alle einig: Solange wir nicht aus der Kohle aussteigen, haben die Erneuerbaren keine Chance. Doch wer behindert diesen Ausstieg? Und wie könnte man diese Blockade lockern?

May 2018

30 min

Der piqer Dmitrij Kapitelman hat einen Text der taz.gazete-Redakteurin Ebru Tasdemir herausgepiqt. Darin beschreibt diese, wie sie zu einer Pressereise in die Türkei eingeladen wurde und diese auch wahrnahm. In dieser Folge erzählt Ebru von genau dieser Reise und was sie dabei über die AKP, aber auch über die Menschen in der Türkei gelernt hat. Sezin Oney ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin und piqerin bei piqd.com. Sie kommt ursprünglich aus der Türkei, lebt und arbeitet jetzt aber in Istanbul und Budapest. Sie sieht in Erdogan einen klassisches Populisten – und damit kennt sie sich aus, denn ihre akademische Arbeit befasste sich schon vor zehn Jahren mit dem damals vor allem in Österreich auftretendem Phänomen des Populismus’. Sezin hofft, dass der Westen es irgendwie schafft, die Menschen in der Türkei, die sich noch immer nach Demokratie sehnen und der EU beitreten wollen, wieder eine Stimme und Hoffnung zu geben. Hart mit dem Westen und der EU ins Gericht geht der Journalist und Blogger Yavuz Baydar, ebenfalls piqer auf piqd.com. Er sieht enorme Versäumnisse der EU und ein Versagen in der Appeasement-Politik, die gefahren wird. Statt wegzuschauen müssten harte Sanktionen gegen die Türkei an der Tagesordnung sein – wenn es nach ihm ginge. Und das nicht nur, weil in diesem einen Land ein populistischer Autokrat die Menschenrechte unterdrückt, sondern auch, weil die demokratischen westlichen Länder selbst mehr und mehr betroffen sind von einem sich ausbreitendem Populismus. Wir brauchen also eine Antwort darauf – nicht nur wegen der Türkei.

Apr 2018

31 min

Wenn wir auf Deutschland schauen und die Umstände unter denen Menschen leben, würden wir dann von sozialer Gerechtigkeit oder eher von sozialer Spaltung sprechen? Welche Antwort auf diese Frage gegeben wird, kommt vermutlich stark darauf an, von wo aus man auf die Sache blickt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn etwa scheint zu finden, dass in Deutschland die soziale Sicherung total knorke ist. Aber sehen das die Empfänger_innen von Hartz IV genauso? Wie steht es wirklich um die soziale Gerechtigkeit in diesem Land? Finden wir es raus. Den Aufschlag macht piqer Christian Huberts. Er ist Computerspiel-Experte und Redakteur für das Games-Bookazine WASD. Als bekennendes Sozialhilfekind hat er zugleich ein Auge für unfaire Regelsysteme. Ihn interessieren Diskurse der ökonomischen Nützlichkeit marginalisierter Gruppen und die Bedingungen des »Mitspielens« am soziokulturellen Leben. Wir sprechen unter anderem über seine piqs "Zufriedene, Verunsicherte, Enttäuschte – eine wenig beachtete Studie zur Wählerschaft im Jahr 2017" und "Sozialstaat: Angst statt Absicherung". Jérémie Gagné ist einer der Autoren der von Christian gepiqten Studie „Was verbindet, was trennt die Deutschen? - Werte und Konfliktlinien in der deutschen Wählerschaft 2017“. Im Podcast erzählt er vom Anlass der Studie und was sie vor allem im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2006 zeigt: Dass die Verunsicherung in den vergangenen elf Jahren breite Bevölkerungsschichten ergriffen und einen Nährboden für rechtspopulistische Bewegungen und Parteien geschaffen hat. Woher diese Verunsicherung kommt, das untersuchten die Wissenschaftler_innen Sigrid Betzelt und Ingo Bode, deren Interview im Freitag ebenfalls von Christian gepiqt wurde. Ende 2017 veröffentlichten sie ein Papier mit dem Titel "Angst im Sozialstaat – Hintergründe und Konsequenzen" . Sie kommen zu dem Schluss, dass ein treibender Faktor für die neue soziale Verunsicherung und Angst die Hartz IV-Reformen waren, die von der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder angetrieben wurden. Das führt mich zu Frida Thurm, Autorin bei ZEIT Online. Zusammen mit ihren Kolleg_innen wollte sie herausfinden, ob Menschen gut mit Hartz IV zurechtkommen - so wie Jens Spahn sich das vorstellt - oder nicht. Sie starteten eine Umfrage und bekamen über 900 Antworten. Das Gute an Spahns Provokation: Endlich kommen die Betroffenen zu Wort. Doch was sie berichten, ist weniger erbaulich: Zwei Drittel der 900 Antworten gaben an, nicht gut zurecht zu kommen. Und auch bei denen, die erklärten, es ginge, hören sich manche nicht sehr überzeugend an, wenn sie schreiben: "Ich hause im Schrebergarten" oder "Ich war schon immer arm, ich glaube nicht, dass ich aus der Unterschicht rauskomme". Mind the Gap Wer Lust bekommen hat, mit anderen über das Thema Soziale Gerechtigkeit / Soziale Spaltung zu diskutieren, dem sei wärmstens die piqd-Facebook-Gruppe "Mind the Gap" empfohlen. Dort diskutieren piqd-Expert_innen und Leser_innen über mögliche Lösungen für das Ungleichheits-Problem, über Auswege aus Angst, Druck und Verunsicherung. Alle Infos dazu findet ihr in unseren Shownotes.

Apr 2018

32 min

Ben Scott hat sich diese Frage gestellt und versucht, sie empirisch zu beantworten. Seine Suche begann wie der vieler anderer auch, nach dem Schock über das Brexit-Ja der Briten und dann dem unerwarteten Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl 2016. In seinem Papier „#DigitalDeceit“ (Digitaler Betrug) untersucht er, wie die Mechnismen, die eine immer präzisere Platzierung von Werbung auf digitalen Plattformen ermöglichen, genauso präzise vorraussagen können, wer besonders empfänglich für Propaganda ist. Gepiqt hat Frederik Fischer das Papier. Als Chefredakteur von piqd setzt er sich seit Jahren intensiv mit dem digitalen Wandel auseinander, hält Vorträge und netzwerkt für eine bessere digitale Zukunft. Dennoch steckte in „#DigitalDeceit“ eine Neuigkeit, die ihn schockiert hat: Wenn schon jetzt mithilfe von Algorithmen Social Media genutzt werden kann, um Leute zu manipulieren, wie wird das erst sein, wenn Künstliche Intelligenz und die geschickte Kombination mit Werkzeugen wie Hootsuite Propaganda regelrecht automatisieren können? Diese Sorge treibt auch Zeynep Tufekci um. Sie ist Techno-Soziologin, arbeitet an der Universität von North Carolina und in Harward. In ihrem TED-Talk, den sie vor kurzem in New York gehalten hat, malt sie eine dystopische Zukunft: Algorithmen, die uns immer weiter ins Extreme treiben, KIs, die lernen, wann psychische Krankheiten uns besonders anfällig für unkontrollierten Konsum machen, autoritäre Regime, die Facebook dafür bezahlen, einseitige Wahlwerbung zu streuen. So düster alle diese Entwicklungen sind, die gerade noch am Anfang stehen, so eint alle drei eine Überzeugung: Wir müssen jetzt handeln. Die Politik darf nicht zögern. Es geht um die Zukunft unserer Demokratie.

Mar 2018

31 min

In dieser Folge des Podcasts sollen ausnahmsweise zwei piqs in den Fokus genommen werden. Beide befassen sich mit den Einwürfen von Männern. Männern jedoch, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der erste piq stammt von Mascha Jacobs. Sie hat den Einwurf des spanischen Philsophen Paul B. Preciado aufgenommen. Preciado ist Transmann und bekannt durch sein Buch "Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie". Er vertritt eine queere Idee von Geschlechterrollen, die vor allem darauf abzielt, das Bekehren zu befreien und von veralteten Ideen von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" zu lösen. Eine gänzlich andere Auffassung von diesen beiden Kategorien vertritt der Redakteur der Süddeutschen und Biologe Markus C. Schulte von Drach. Seiner Auffassung nach sollten die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen gerade auch im sexuellen Bereich nicht weiter herunter gespielt und ignoriert werden, sondern mehr Beachtung finden. Er schreibt: "Wenn wir Sexismus überwinden wollen, müssen wir berücksichtigen, dass Unterschiede zwischen Männern und Frauen auch von Natur aus existieren, weil sie sich über die Evolution entwickelt haben." Den Text hat übrigens piqerin Antje Schrupp herausgesucht. Bei so viel gegensätzlichen Ansichten ist es wichtig, jemanden zur Debatte hinzu zu holen, der vor allem mit der Realität männlicher Sexualität konfrontiert ist, wie die Sexualtherapeutin Bettina Kirchmann. Sie hat in ihrer Praxis viele verschiedene Männer und damit auch viele verschiedene Ideen von Männlichkeit sitzen. Selbst eher feministisch sozialisiert hat die jahrelange Arbeit mit Männern ihr Bild auf diese stark verändert. Ob es Unterschiede gibt? - Ja, sagt sie. Aber woher die kommen, ob von der Natur oder doch durch gesellschaftliche Einflüsse, das könne man kaum sagen. —– Redaktion, Moderation, Schnitt: Katrin Rönicke Musikredaktion und Sound Design: Barbara Streidl

Mar 2018

33 min

Um diese Frage zu diskutieren sind wir in die Kulturkantine im Prenzlauer Berg gegangen und haben die drei Gäste der Sendung an einen Tisch gesetzt - denn zum ersten Mal haben wir einen piqd Salon mit Diskussion und Live-Podcast ausprobiert. Müssen wir die digitalen Giganten überhaupt stoppen, oder reguliert sich der Markt schon ganz gut selbst? Welche Mittel haben wir überhaupt, sie zu zügeln? Welche Mittel fehlen uns? Sind Verbraucher_innen und Politik wirklich so ohnmächtig, wie es die Autor_innen aus dem von Jörn Klare gepiqten Artikel feststellen? Die Gäste: Anke Domscheit-Berg ist Bundestagsabgeordnete für DIE LINKE und sitzt im Ausschuss für Digitale Agenda. Davor war sie jahrelange Netz-Aktivistin und in ihrem früheren Leben auch schon als Unternehmensberaterin und für Microsoft tätig. Thomas Jarzombek ist im Vorstand der CDU/CSU-Fraktion und Sprecher im Ausschuss Digitale Agenda Walter Palmetshofer ist Ökonom und seit Jahren netzpolitsch aktiv. Aktuell arbeitet er bei der Open Knowledge Foundation an den Projekten Open Data Incubator for Europe (ODINE), einem H2020-Forschungsprojekt und am Digitalen Offenheitsindex [do:index]

Mar 2018

46 min

In den Sozialen Medien wird Heiko Maas aus den verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Lagern für das NetzDG kritisiert, manche nennen ihn einen „Zensurminister“, auch Regelechter Hass ist - ironischer Weise - an der Tagesordnung. Anstatt also den Hass zu reduzieren, was ja der Sinn des Gesetzes war, hat er ihn ganz massiv geschürt: Hass auf den Minister, Hass auf die Politik. Alexander Sängerlaub macht den Aufschlag für die Sendung. Sein piq zum Thema titelt provokant: "Alle meckern gegen das NetzDG – doch der übertriebene Schaum vor dem Mund ist nicht berechtigt" Alexander fragt sich, warum jetzt alle meckern, weil: haben davor nicht auch alle gemeckert, weil die Plattformen zu langsam eingreifen? Stefan Niggemeier ist der Autor des Textes, den Alexander gepiqt hat. Als Gründer des Bildblogs und der Übermedien betrachtet er Mediendiskurse stets kritisch und schaut genauer hin: "Ich glaube auch, dass man da den Unternehmen ein Stück auf den Leim geht. Ich finde es nur Quatsch zu glauben, das sei alles Auswirkungen des Gesetzes, und die Unternehmen zeigen so, was da alles passieren kann." Julia Krueger von netzpolitik.org findet am NetzDG viele Probleme: Dass es keine Widerspruchsmöglichkeiten gibt, dass die Plattformen quasi nach Gutdünken entscheiden können was sie löschen und dass die Strafverfolgung kein bisschen verbessert wird. "Es verlagert den Umgang mit Straftaten in so einen privatwirtschaftlichen Bereich."

Feb 2018

27 min

Daniela Becker hat Umweltwissenschaften studiert, schreibt als Journalistin besonders gern über Umweltthemen und nachhaltiges Wirtschaften und hat im Kanal „Klima und Wandel“ auf piqd.de eine Alternative zur Resignation gefunden. Ihr piq vom 11. Januar betrachtet Entwicklungen in New York, auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans, die richtungsweisend sein könnten. Tine Langkamp ist Divestment Campaignerin der Organisation 350. "350 ist eine Nichtregierungsorganisation, die global arbeitet und eine Klimaschutzbewegung, die sich gegen Kohle, Öl Gas stellt und für 100 Prozent Erneuerbare einsetzt." Das Investigativ-Büro von correctiv hat 2016 eine Recherche angestoßen, die untersucht hat, ob und wie die Bundesländer ihre Steuergelder nach Umweltkriterien anlegen. Annika Joeres hat die Recherche durchgeführt. "Wir wollten uns genauer anschauen wo Bundesländer ihr Geld investieren. Bis dahin hat niemand gefragt, wohin die Gelder investiert werden." Alle drei berichten von den Chancen durch Divestment und von den Widerständen, die es trotz allem noch zu überwinden gilt.

Feb 2018

34 min

Löst die digitale Vernetzung vielleicht sogar irgendwann die analogen Grenzen dieser Welt auf? Was für neue Bürger_innen könnten dadurch entstehen? Werden wir Weltbürger_innen? Oder gar Netz-Bürger_innen? Dieser Frage geht das Projekt "Digital X-Ship" auf den Grund, das ein Ergebnis der Jahreskonferenz der Berliner Gazette ist. Sonja Peteranderl hat die Idee der digitalen Staatsbürgerschaft im Kanal "Technologie und Gesellschaft" gepiqt. Sie schreibt: "Die Projektwebseite bildet einige der diskutierten Ansätze ab und liefert auch praktische Anregungen, wie man seine durch Staatsangehörigkeit erworbenen Privilegien mit anderen Menschen teilen kann..." Einer derjenigen, die das Projekt mit auf die Beine gestellt haben, ist Michael Prinzinger. Er führt in Berlin ein Unternehmen für IT-Sicherheit und engagiert sich seit Jahren in seiner Freizeit bei der Berliner Gazette. Für ihn ist die "X-Ship" ein Balance-Akt zwischen utopischen oder künstlerischen Ideen und ganz klaren, aktuellen Notwendigkeiten. James Bridle war auch auf der Konferenz dabei und hat sein Kunstprojekt "Citizen X" vorgestellt. Er sagt: "Die Erarbeitung des Projektes „Citizen Ex“ basiert auf der Art und Weise, wie die NSA in den Vereinigten Staaten darüber entscheidet, ob sie Leute überwacht oder nicht." - Je nach Verhalten, bekommen die Menschen einfach eine angenommene Staatsbürgerschaft zugeteilt. Einen ganz radikalen Vorschlag hat die Gründerin der Bitnation, Susanne Tarkowski Tempelhof: Sie will von Firmen regiert werden können, zum Beispiel von TED, der kalifornischen Firma, die für ihre "Ideas Worth Spreading"-Videos weltberühmt ist.

Jan 2018

32 min

Den Input für die heutige Sendung hat Jannis Brühl gepiqt. Im Kanal „Reportagen und Interviews“ auf piqd.de hat er ein großes Dossier von Foreignpolicy.com ausgesucht, ein 9-teiliger, englischsprachiger Beitrag, der sich genau angesehen hat, wie vor Ort die Flüchtlingspolitik Europas wirkt. Jannis schreibt zu seinem Piq: "Du denkst, du verstehst die aktuelle Flüchtlingssituation? Tust du nicht, wenn du dieses Textpaket nicht gelesen hast." Nicht nur die Reporter von Foreign Policy haben sich diese Realität ganz genau angesehen. Auch in Deutschland gibt es ein groß angelegtes Projekt, das vor Ort recherchiert hat, wie die EU-Politik die afrikanischen Länder verändert und beeinflusst. Das Projekt heißt „Migration Control“. Die taz-Redakteure Christian Jakob, Dominic Johnson, Daniél Kretschmar, Simone Schlindwein haben über viele Jahre daran gearbeitet und es ist auch in deutscher Sprache. Man kann sich tagelang durch das Online-Portal auf migration-control.taz.de lesen. Für „piqd thema“ habe ich mit Simone Schlindwein darüber gesprochen. Sie ist taz-Korrespondentin in Afrika und zuständig für die Regionen der Großen Seen. Außerdem ist sie Mitautorin des Buches „Diktatoren als Türsteher Europas: Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“. Die zweite Gesprächspartnerin der heutigen Sendung ist Petra Bendel. Sie ist Professorin für Politikwissenschaften und Akademische Direktorin des Zentralinstituts für Regionenforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Am 11. Dezember hat sie in Berlin die Ergebnisse der Arbeit einer Kommission vorgestellt, die unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Rita Süssmuth die wichtigsten Thesen und Empfehlungen zum Einwanderungsland Deutschland erarbeitet hat. Der Titel des 200-Seitigen Papiers: "Perspektiven für eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Flüchtlings- und Einwanderungspolitik" herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung.

Jan 2018

38 min

Citizen Scoring oder Social Credit - das sind zwei Begriffe, die das gleiche beschreiben: Wie in China durch Big Data und massenhaftes Datensammeln, Polizei, Staat und auch private Unternehmen daran arbeiten, den gläsernen Bürger zu schaffen, der mit einem "Score" belegt wird. Besonders "gute Bürger", also vor allem solche, die politisch nicht als "Gefahr" gesehen werden und sich auch gesund ernähren, bekommen besonders hohe Scores und damit auch gesellschaftliche Privilegien. Wer einen schlechten Schnitt hat, fällt durch. Das System soll 2020 in Kraft treten - doch schon jetzt wird fleißig geschnüffelt und gesammelt. In dieser Folge spreche ich mit Christian Huberts über seinen piq "Social Credit: Eine Highscore in Gehorsam", der den Aufschlag für die Sendung macht. Christian beschäftigt sich sonst viel mit Gaming-Kultur und zeigt die parallelen der chinesischen Pläne mit den Nudging-Systemen in Online-Spielen auf. Wie schon heute in China überwacht wird und welche Daten die Machthaber und die Polizei dort bereits in großem Umfang sammeln, berichtet Maya Wang von Human Rights Watch. Sie wirft ein Schlaglicht auf das System "Police Cloud", das ungewöhnliches Verhalten vorhersagen und politisch "gefährliche" Menschen erkennen soll. Außerdem berichtet sie von dem Einsatz einer DNA-Datenbank in der chinesischen Provinz Xinjiang, in der die DNA der muslimischen Minderheit gesammelt wird. Auch die Journalistin Angela Köckritz kennt die chinesische Überwachungs- und Datensammel-Lust. Sie hat vier Jahre lang in China gearbeitet und erzählt, wie gerade Journalisten, die zu "politisch gefährlichen" Themen recherchieren, aufpassen und sich absichern müssen und wie sie bei einem Polizeiverhör ihre gesamten WeChat-Nachrichten ausgedruckt vorgelegt bekam.

Dec 2017

31 min

Die NEON-Autorin Fiona Weber-Steinhaus nennt es das "Zeitalter der Selbstverarsche": Wir betonen über und über, wie wichtig es ist, seinen Körper zu akzeptieren, sich mit ihm wohl zu fühlen und das Leben zu genießen - mit all den Pizzen, Steaks und Cupcakes, die eben so für Genuss und Lebensqualität stehen. Aber gleichzeitig rümpfen wir die Nase, wenn jemand nicht schlank ist, denn dieses Körperideal haben wir seit Aerobic-Videos der 90er nicht abgelegt. Wir sprechen diesmal mit der stellvertretenden Chefredakteurin von ZEIT-Campus, Martina Kix, mit ZEIT-Magazin-Autor Sascha Chaimowicz und mit dem Medien- und Kommunikationswissenschaftler Jakob Hörtnagl über Instagram, den Fitnesstrend und was das mit uns macht.

Dec 2017

34 min

Der Journalist und Kulturwissenschaftler Michael Seemann findet genau das an Bitcoin so spannend - denn "die Frage nach dem Wert ist fast schon eine philosophische". Sein piq, "Was sind Cryptocurrencies wirklich", soll der Ausgangspunkt für unsere heutige Sendung sein. Tanzeel Akhtar ist Wirtschaftsjournalistin, sie schreibt unter anderem für die Financial Times und das Wall Street Journal. Sie findet schon, dass Bitcoin wie eine Währung benutzt werden kann - aber dann, so ihre Meinung, sollten die Leute, die damit Profite machen, auch Steuern darauf zahlen. Nur: Bei komplett anonymen Transaktionen ist das natürlich schwer. Wie soll eine digitale Währung reguliert werden? Das geht gar nicht - und genau das ist für viele auch der Reiz an Bitcoin: am Staat vorbei zu wirtschaften. Der Wirtschaftsexperte Marco Herack von den „Mikro-Ökonomen“ sieht darin nur eine weitere Ausprägung der wachsenden Skepsis gegenüber Staaten und staatlichen Institutionen. Neben solchen Bewegungen wie „Pegida“ und der Angst vor der „Lügenpresse“ oder der Ablehnung der EU, ist Bitcoin eben die Skepsis gegenüber dem Geldsystem. Für ihn zeigt sich in Bitcoin sonst kein konkreter Nutzen, deswegen vermutet er hinter den immer krasser steigenden Werten einen schlichten Hype.

Nov 2017

31 min

Alexander von Streit ist selbst Journalist und unter anderem Gründer der Krautreporter. Er macht mit seinem piq, "Warum Medien die AfD erfolgreicher gemacht haben – und trotzdem weiterberichtet werden muss" den Aufschlag für die Sendung. Was für Lehren sollten die Medien aus dem AfD-Aufstieg ziehen und wie kann in Zukunft vermieden werden, über jedes Stöckchen, das die Partei hinhält, zu springen? Katharina Nocun twitterte neulich: "Man stelle sich mal vor, Asylsuchende wären genauso oft in Talkshows eingeladen worden, wie 'besorgte Bürger'" und schlug damit in eine ähnliche Kerbe. Sie findet, dass im Wahlkampf die Themensetzung der AfD am besten funktioniert hat - dass die Anliegen ganzer Wählergruppen dafür aber gar nicht stattfanden. Boris Rosenkranz ist Gründer der Übermedien und als solcher beobachtet er sehr kritisch, was die Kollegen so treiben. Seiner Meinung nach werden bei Taten wie dem Massenmord in Las Vegas, Amokläufen und Terroranschlägen, viel zu oft Details berichtet und weiterverbreitet, die im Zweifel Nachahmer hervorrufen könnten. Denn Aufmerksamkeit spielt bei vielen solchen Taten eine große Rolle - selbst posthum. Auch bei Suiziden würden viele Medien sich nicht an die Vorgaben halten, die Psychologen machen.

Oct 2017

32 min

Alle paar Jahre muss die Bundesregierung einen Armuts- und Reichtumsbericht vorlegen und wie der dann debattiert wird, das sieht schematisch immer so aus: Die Linke schimpft und die CDU sagt, dass es viel besser geworden ist und dass es den Deutschen doch ganz gut geht. Aber wie gut geht es den Leuten wirklich, die von Hartz IV betroffen sind? Was sagen Ökonomen, Soziologen und Juristinnen zur sogenannten Agenda 2010, also Hartz IV und seinen Folgen? Darüber spricht Katrin Rönicke mit Christian Odendahl, Chefökonom des Londoner Centre for European Reform (CER) Anke Hassel, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz Anne Lenze, Professorin für Familienrecht, Jugendrecht und Sozialrecht an der Hochschule Darmstadt

Oct 2017

32 min

Antje Schrupp piqt im Kanal "Volk und Wirtschaft", sie ist Politikwissenschaftlerin und ihre Position ist die: "Ich hab ne ziemlich radikale Meinung - ich bin dafür, das Erbrecht abzuschaffen, erben müsste verboten sein." Auf diese Meinung kam sie durch ihre Dissertation zur Ersten Internationalen - als sich Anarchisten und Sozialisten stritten, was der bessere Weg zu mehr Gerechtigkeit sein könnte. Aber Anarchismus - ist das noch zeitgemäß? Eine Debatte über das Erben ist es auf jeden Fall, findet Julia Friedrichs. Die ist Journalistin, sie schreibt vor allem bei der Zeit. Aber sie ist auch Autorin mehrerer viel beachteter Bücher, etwa das vor zehn Jahren erschienene „Gestatten: Elite“, für das sie am Rekrutierungsprozess von McKinsey teilgenommen hatte. 2015 erschien ihr Buch „Wir Erben: Was Geld mit Menschen macht“, darin hat sie akribisch untersucht, wie sich größere Erbschaften auf die Vermögensverteilung in der Gesellschaft auswirken. Der Dritte in der Runde ist Rico Grimm. Für die Krautreporter wühlt er sich oft intensiv in ein Thema ein und das hat er auch mit der Lobby der Familienunternehmer gemacht. Sein Artikel „Wie reiche Familien die Erbschaftsdebatte manipulieren“ erschien vergangene Woche, kurz vor der Wahl - und genau darüber habe ich mit ihm in der Krautreporter-Zentrale gesprochen. Schon Winston Churchill hat die Erbschaftssteuer ein “Korrektiv gegen die Entwicklung einer Rasse von reichen Müßiggängern“ genannt. Aber viel ist von dieser Haltung nicht übrig - in Deutschland sind wir konservativer, als wir denken. Leistung und Gerechtigkeit gelten als Grundpfeiler in unserer kapitalistisch funktionierenden Demokratie. Die derzeitige Erbpraxis stellt diese Grundpfeiler jedoch in Frage und die groß angelegte Lobbyarbeit der sogenannten Familienunternehmen verhindert offenbar, dass sich hier wie sonst auch, ganz im habermasschen Sinne das bessere Argument durchsetzen kann.

Sep 2017

35 min

J. Olaf Kleist ist Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Flüchtlingsforschung und unser Inputgeber für diese Sendung. Sein piq, "Vertreibung, Flucht, Flüchtlingspolitik: Was sagt die Wissenschaft dazu" stellt die Arbeit des Projekts "Flucht: Forschung und Transfer" vor. Zum Beispiel: Was sind Grenzen, wie funktionieren sie und wer entscheidet, wer bleiben darf und wer nicht? Wie funktionieren Abschiebungen? Ob die Flüchtlinge mehr Kriminalität zu uns gebracht haben und wie wir damit umgehen sollen, das weiß der Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer. Er beschäftigt sich schon so lange mit diesem Thema - seine Bücher findet man teilweise schon in Antiquariaten. Dass Zuwanderer nicht gleich Flüchtlinge sind und dass die Gesellschaft es in der Hand hat, wieviel Gefahr in Zukunft von den Neuankömmlingen ausgeht, zeigt er entlang seiner Studien. Eine weitere Sorge: Wir zahlen und zahlen, die Staatskasse wird immer leerer. Stimmt das? Dr. Tobias Hentze und Dr. Regina Flake vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln haben in Studien untersucht, was die Gesamtwirtschaftlichen Effekte der Flüchtlingsmigration in Deutschland sind und wie die Beschäftigung und Qualifizierung von Flüchtlingen in Unternehmen läuft. Am Ende aber bleibt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern vor allem ein Gefühl, das sie in die Arme von Protestparteien treibt: Alles geschieht über unsere Köpfe hinweg. Ob das stimmt und was die Politik tun kann, um dieses Gefühl zu minimieren und Konflikte in den Kommunen konstruktiver zu gestalten, weiß Isabella Bauer. Ihr Thema ist "Konfliktmediation, Kommunikation und kommunale Moderation in Aufnahmeländern".

Sep 2017

50 min

"Kinder sind Schlafräuber - aber nicht für Väter" - so lautete der Titel eines piqs von Nils Pickert im Kanal „Liebe, Sex und wir“. Nils hatte am Equal Care Day, am ersten März, eine Studie gefunden, die zeigte, dass Mütter aufgrund ihrer Kinder zu wenig Schlaf bekommen - Väter aber nicht. Die Studie zeigte, dass Väter nach der Geburt eines Kindes in der Regel weder Schlaf, noch sonst irgendwas einbüßen. Wie kann das sein? Warum immer Mutti? Die Frage nach Mutti ist die Frage nach einem der am härtesten umkämpften Leitbilder in Deutschland. Andrea Harmonika ist Bloggerin und Buchautorin. Schon seit Jahren werden auf Kosten der Mütter Klicks generiert, stellt sie fest. Sie seziert in ihrem viel beachtetem Blogtext "Deine Mudder" die Medienlandschaft von FAZ, taz, über Huffington Post bis Spiegel und deren Blick auf Mütter. Ein Erstes, was auffällt: Viele verwechseln die Begriffe „Mutter“ und „Eltern“. Bei Nils Pickert ist das anders organisiert. Er hat vier Kinder und in seiner Familie geht die Mutter "Dachen jagen", wie er sagt - also einer Erwerbsarbeit nach, er hingegen ist als Selbstständiger, der sich seine Zeit freier einteilen kann, der Hauptverantwortliche für die Kinder. Für ihn und seine Familie ist nichts selbstverständlicher - aber die Umwelt reagiert oft irritiert. Barbara Vinken ist Professorin für vergleichende und französische Literaturwissenschaft an der Universität München und Autorin von Büchern über die Mutter und über Mode. Ihr Werk "Die Deutsche Mutter" betrachtet die Geschichte unseres heutigen Mutterbildes. Und diese beginnt in der Reformation, bei Luther. "Luthers Bestreben war es, die Familie zum neuen sakralen Raum zu machen", berichtet Vinken.

Sep 2017

33 min

Die Untergangsszenarien in Sachen „guter alter Journalismus“ werden seit der Erfindung des Blogs rege diskutiert. Nahezu jeder hat irgendeine Meinung zu der Sache - aber wie sieht die Zukunft des Journalismus denn nun wirklich aus? Inputgeber ist dieses Mal der piqer und Journalistentrainer Bernd Oswald. Er sieht den Journalismus nicht in einer Krise, sondern in einer Zeit, die nie so spannend war. Sein Tipp: Die Entwicklung umarmen und mehr auf Storytelling und neue Formate setzen. Die Frage, wie mit journalistischen Angeboten Geld verdient werden soll, nennt er dabei die "Masterfrage". Marlies Prinzing lehrt Journalismus an der Hochschule Makromedie in Köln. Für sie ist sind es die Professionalität und das Handwerk, die den Journalismus zu einer Stütze der Demokratie machen. Sie findet, dass Journalistinnen und Journalisten vor allem durch die Professionalität immer ihre Legitimität erhalten können - und damit auch ihren Job. Nicht ganz so optimistisch ist Paul Nemitz. Er arbeitet für die Europäische Kommission und sein Hauptaugenmerk liegt auf den Grundrechten. Dass Apple, Google und Facebook versuchen, Marktführer oder gar Oligopole in Sachen Nachrichten zu werden, bereitet ihm einige Sorgen. Vom European Journalism Center in Maastricht kommt Wilfried Ruetten, der inzwischen in Rente ist, der aber mit viel Leidenschaft in die Debatte geht. Dass sich der Journalismus nach dem alten Modell vor allem durch Werbung finanziert hat, fand er ohnehin falsch. Stattdessen setzt er auf Leserfinanzierung und öffentliche Unterstützung - warum geben ARD und ZDF nicht mal was ab? Der letzte in der Runde, Christoph Becker, vertritt unter anderem genau diese Öffentlich-Rechtlichen, denn er sitzt im Fernsehrat des ZDFs. Gleichzeitig kommt er aus der Musikbranche, die schon vor Jahren die disruptiven Effekte der neuen Technologie hart zu spüren bekam - für ihn dreht sich alles um Relevanz und Legitimation, auch für die Öffentlich-Rechtlichen.

Aug 2017

32 min

Und zwar mit einer female DJ aus Berlin namens Swinka. Sie legt seit acht Jahren auf und kann bestätigen, dass es als Frau in dieser Szene nicht immer leicht ist. Sie muss sich besonders anstrengen, damit man ihre Leistung anerkennt - mehr, als die Jungs im Business. Aber Obacht: diese Form von Sexismus gibt es nicht nur in der Techno-Szene. Sigrid Meuselbach ist Unternehmensberaterin und hat sich auf das Thema "Frauen in Führung" spezialisiert. Und siehe da: In den Führungsetagen deutscher Unternehmen sieht es genauso aus, wie in der Techno-Szene: Jungs, die sich gegenseitig einladen und pushen und jammern, wenn die Frauen zu männlich werden... Andererseits suggeriert man ihnen die ganze Zeit genau das: Das einzige Modell, das in unserer Gesellschaft erfolgversprechend ist, das ist das männliche Modell. Sei hart, beiße dich durch, sei rational und kümmere dich nicht um andere. Theresa Bäuerlein sieht darin eine Falle - für Frauen und Männer zugleich. Eine Sorge, die von der New Yorker Psychiaterin Julie Holland geteilt wird. Bei ihr schlagen sie alle irgendwann auf: Frauen wie Männer, die ihre "weiblichen Qualitäten" unterdrücken, um ja groß Karriere machen zu können.

Aug 2017

31 min

Daniel Erk wünscht sich eine Bamberger-Brauereientour – in Bamberg gibt es eine immens hohe Brauereiendichte -, um herauszufinden, was „handgewachsenes“ Craftbeer kann. Und am Ende geht es dann doch auch um Politik: Wir wollen nicht, dass Schwein und Land leiden müssen, wenn wir Fleisch essen – wie es den Menschen, die mit der Schweinezucht zu tun haben geht, das übersehen wir aber leider häufig. Was Daniel Erk verwundert: Ist das dann am Ende doch zu kompliziert für die meisten?

May 2017

30 min

Der Energiejournalist sagt: "Beim Strom ist das Angebot so groß wie einst in einem Konsum der DDR. Kunden können zwischen konventionellem und grünem Strom wählen. Das war’s. Doch das könnte sich über kurz oder lang ändern – dank Blockchain." Was Blockchain eigentlich ist und was das mit elektrischen Zahnbürsten zu tun hat - Ralph Diermann erklärt es in dieser kurzen Folge zur #rp17.

May 2017

15 min

Die Diskussion, die auf Englisch stattgefunden hat, fragte nach den Vor- und Nachteilen, die ein Bedingunsloses Grundeinkommen mit sich bringen würde. Dmytri Kleiner war hier ein harscher Kritiker der Idee, die er für neoliberal hält. Anstatt pauschal jedem Menschen Geld zu geben, will er, dass Soziale Sicherung, Essen, ein Dach über dem Kopf und gesellschaftliche Teilhabe politisch organisiert werden. Meera Zaremba hingegen gibt Leuten schon heute ein Jahr lang 1.000 Euro monatlich - bedingungslos. Sie sieht darin eine große Chance. Der dritte Diskussionteilnehmer, Timo Daum, betont vor allem die Verwerfungen in der Arbeitswelt, die mit der Digitalisierung einhergehen. Die Kontroverse packte auch das Publikum, dass sich mit Verve in die Debatte einmischte. Magdalena Taube fasst die wichtigsten Punkte im Gespräch mit Katrin Rönicke zusammen.

May 2017

16 min

"Wir dachten, das Netz wäre Information, dabei ist es Formation. Auch, was Geschichtsbilder angeht. Ob rechts, ob links, ob Fußballfan: Im Netz bilden sich geschlossene Geschichtsbilder, die wir betrachten und auflösen wollen." Um diese Geschichtsbilder zu finden, haben sich Moritz und Charlotte tief in Facebook-Gruppen und Gutefrage-Foren eingewühlt. In ausgesuchten Beispielen zeigen sie, dass die geschichtliche Bildung, die im Netz zutage tritt, oft einiges zu Wünschen übrig lässt. Wie kann man jedoch damit umgehen?

May 2017

11 min

"Die Straße, die ich in meiner Schulzeit vier, fünf Jahre lang überquert habe, sie war sehr breit - dort waren die Gleise, die zum Konzentrationslager führten." Mit ihrer Familie oder in der Dachauer Schule hat Michaela Müller darüber nicht viel gesprochen: Der Umgang mit Erinnerung ist schwierig, sagt sie. Michaela Müller hat vor einigen Jahren auch eine Reise nach Somalia und das Nachbarland Somaliland gemacht: Über ihre Erfahrungen dort erzählt sie, von Bürokratie und den vielen Buchmessen, die auf dem afrikanischen Kontinent seit kurzem wie Pilze aus dem Boden schießen.

May 2017

26 min

Alexandra Rojkov treibt die Frage um, wie Integration gelingen kann, wie sie wirklich aussieht. Ihre These: Echte Integration fängt dort an, wo man sich Freunde sucht, die anders sind, als man selbst. Und das haben die "Bio-Deutschen" bis 2015 kaum geschafft, weswegen Alexandra skeptisch ist, ob sie das nun schaffen. Sie ist selbst als Kontingent-Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat festgestellt, dass die Deutschen vor allem jene Migranten als "gute Beispiele für gelungene Integration" ansehen, die sich mehr assimiliert, als integriert haben. Aber sie berichtet auch von Migranten, die keine Notwendigkeit darin sehen, Deutsch zu lernen - obwohl die Sprachbarriere zu überbrücken ein wichtiger Schritt für mehr Miteinander, anstelle von Neben- oder gar Gegeneinander wäre. Was tun? Keine einfache Frage - wir versuchen zumindest eine Annäherung. Wesentlich für das Gelingen ist Alexandras Meinung nach, dass die Beziehungen zwischen alten und neuen Deutschen auf Augenhöhe kommen.

Apr 2017

30 min

Meike Leopold hat ein Faible für das Thema "Robotik und Gender" und spricht über die Serie "Westworld" und die Frage, ob wir Haushaltsrobotern Namen und Geschlecht verpassen müssen. Da sind wir dann schon mitten drin in den "Feminismen", die ihr derzeit als ziemlich zersplittert erscheinen. Schließlich geht es noch um Shitstorms und die Kommunikationsstrategien von Unternehmen im Netz.

Apr 2017

31 min

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